Wwoofing - Farmarbeit in Kanada

Wwoofing - Farmarbeit in Kanada

Wwoofing in Kanada - Arbeiten im Ausland

Allgemeine Infos und mein erster Arbeitsort

Wer an ein Auslandsjahr oder überhaupt einen längeren Auslandsaufenthalt denkt, der hat vermutlich oft zunächst Work and Travel im Kopf. Jobs in Kanada zu finden, um dort zu arbeiten, ist nicht immer leicht, deshalb möchte ich im Folgenden eine andere Möglichkeit vorstellen, mit der man Arbeiten und Reisen verbinden kann: Wwoofing. „WWOOF“ ist ein Netzwerk für Farmarbeit, mit dem man über eine Internetseite nach Gastgebern (Hosts) auf kleinen Farmen suchen kann. Das Konzept ist, dass man für die Hosts arbeitet und dafür Verpflegung und eine Unterkunft, also Kost und Logis, bekommt. Der Name „WWOOF“ steht für „World-Wide Opportunities on Organic Farms“. Ich habe im Herbst 2018 für zwei Monate im Westen von Kanada „Wwoofing“, also Farmarbeit, gemacht. Zur ersten Station ging es von Vancouver aus per Flugzeug, und zwar in den hohen Norden nach Whitehorse im Territorium Yukon. Hier habe ich zum ersten Mal wwoofen ausprobiert. Meine Wwoof-Hosts Emma und Samuel wohnen auf ihrem kleinen Hof in wunderschöner Lage an einem großen See. Die Hauptaufgabe während meiner Zeit dort bestand darin, Holz aus dem Wald zu holen, denn die beiden heizen ausschließlich mit Feuerholz. In dem Waldstück, das wir angesteuert haben, hat es vor einigen Jahren einen Waldbrand gegeben. Deshalb ist das Holz von außen verkohlt, im Inneren aber noch intakt und super zu gebrauchen. Wenn die Kettensäge mal einen Moment aus war, hat man überhaupt kein Geräusch gehört. Absolute Stille. So etwas habe ich in Deutschland noch nie erlebt, das gibt es vermutlich echt nur in Kanada. Ansonsten haben wir Hochbeete aus Lehm gebaut und mit Ästen und Blättern gefüllt. Die Idee dahinter ist, dass die Zweige verrotten und im Beet für Nährstoffe und Wärme im kalten Yukon sorgen. In den Hochbeeten wollen Emma und Samuel im Frühjahr Gemüse anbauen. Der erste Ort war für mich direkt ein interessanter Einblick in die Farmarbeit in Kanada.

Wwoofing-Ort: Fluss im Wald mit Bergen im Hintergrund und einem Boot am Ufer
Der erste Wwoofing-Ort lag an einem Fluss, der hier in einen großen See mündet
Foto: © Christopher Marung

Arbeiten mit Natur-Ausblick

An meinem zweiten Wwoofing-Ort, einem kleinen Dorf in der Nähe von Terrace in British Columbia, bin ich abends im Dunkeln angekommen. Am nächsten Morgen konnte ich es kaum glauben: Der Hof liegt, mitten in der Wildnis, direkt an einem kleinen See, mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Man sieht regelmäßig Weißkopfseeadler vorbeifliegen oder Otter tauchen. Auch Bären und Wölfe kommen wohl regelmäßig am Ufer des Sees vorbei. Ein paar Tage später kam noch ein anderer Wwoofer aus der Schweiz dazu. Wir haben ein neues Dach für ein Katzengehege gebaut, da das alte ein bisschen in die Jahre gekommen war. Die Katzen können draußen nicht frei herumlaufen, weil in der Gegend Füchse und Kojoten leben. Ansonsten haben wir den Garten winterfest gemacht. Unsere Gastgeber Oliver und Alice sind pensionierte Lehrer, sie haben früher Kinder von einem First-Nation-Stamm unterrichtet. Die Erzählungen über den Unterricht und das Leben der First-Nation-People waren richtig interessant. Außerdem sind die beiden sehr naturverbunden und können unglaublich viel über Tiere und Pflanzen erzählen. Auch von einem Vulkan-Ausbruch, der sich vor 250 Jahren dort ereignet hat, wissen sie durch alte Dokumente einiges. Ich war übrigens froh, dass ich mich (anders als beim Work and Travel) nicht immer wieder um Jobs kümmern musste, sondern schon ungefähr wusste, bei welchen Hosts ich in Kanada arbeiten wollte.

Ausblick beim Arbeiten: See mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund und Bäumen an den Ufern
Solche tollen Ausblicke gibt es in Kanada regelmäßig
Foto: © Christopher Marung

Die letzte Wwoofing-Station

Die dritte und letzte Station war Powell River an der Sunshine Coast nördlich von Vancouver (von Sonnenschein war im November allerdings nur selten etwas zu sehen). Im Garten der Gastgeberin Elizabeth war eine Mauer geplant, die zur Dekoration dienen soll. Dafür habe ich gemeinsam mit einem Wwoofer aus den USA die Grundrisse ausgehoben und das Fundament aus Beton gegossen. Da Powell River an der Pazifikküste liegt, gibt es in der Nähe schöne Strände, die man besuchen kann. Außerdem sind Berge und Seen in der Nähe, zu denen man schöne Fahrradtouren machen kann. Auch hier war es also wieder so, dass man Reisen und Arbeiten gut verbinden konnte.

Job in der Natur: Weißkopfseeadler mit gelbem Schnabel, weißem Kopf und braunen Federn auf einem Baumstumpf sitzend
Bei der Farmarbeit in Kanada sieht man auch wilde Tiere, wie diesen Weißkopfseeadler
Foto: © Christopher Marung

Ein kurzes Fazit zum Wwoofen

Das Wwoofen hat mir viel Spaß gemacht, weil man die Gelegenheit hat, Neues über die Natur und Landwirtschaft zu lernen und gleichzeitig immer genug Zeit für Unternehmungen in der oft wunderschönen Umgebung bleibt.

Ich wusste an den Wwoofing-Orten vorher meistens nicht genau, was auf mich zukommt, habe aber nur positive Erfahrungen gemacht. Wenn man ein wenig offen für Neues ist, dann ist Wwoofing eine tolle Gelegenheit, nicht nur als Tourist überall draufzuschauen, sondern bei „echten“ Kanadiern zu leben. Die Arbeit kann auch mal anstrengend sein, ich hatte aber immer genug Zeit, um Sachen zu unternehmen.

Hosts finden - und Vorteile gegenüber Work and Travel

Um einen Host zu finden, sucht man auf der Seite von Wwoof Canada nach einem Hof bzw. einem Haus an einem Ort, den man gerne bereisen möchte. Um Kontakt mit den Gastgebern herzustellen, muss man sich als Mitglied registrieren und dafür eine Gebühr von ca. 31 Euro zahlen. Danach kann man aber so viele Leute anschreiben wie man möchte. Um diese Art der Farmarbeit in Kanada zu machen, reicht ein Touristen-Visum aus, man braucht kein Arbeitsvisum, weil man ja kein Geld erhält. Das ist ein Vorteil gegenüber Work and Travel, weil die Arbeitsvisa in Kanada jährlich begrenzt sind und ausgelost wird, wer eins bekommt. Ich hoffe, der Einblick in meine Wwoofing-Erfahrungen war interessant und hilfreich!

Die offizielle Website von Wwoof Canada erreicht ihr hier.

Bei Fragen und Anregungen könnt ihr mich gerne kontaktieren:

E-Mail: christopher_patrick.marung@smail.th-koeln.de

Instagram: farmarbeit_kanada